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1. Nov. 2026
Christina Applegates MS-Fehldiagnose legt die Unsicherheit hinter einer lebensverändernden Diagnose offen
Der mutmaßliche Diagnosefehler bei Christina Applegate hat die Frage neu entfacht, wie Multiple Sklerose erkannt wird. Patienten berichten sowohl von den Folgen einer Fehldiagnose als auch von der verheerenden Ungewissheit, die entsteht, wenn Ärzte eine schwere Erkrankung nicht erkennen.
Eine mutmaßliche Fehldiagnose im Fall von Christina Applegate hat eine schwierige Frage in der Neurologie neu aufgeworfen: Was passiert, wenn eine lebensverändernde Diagnose falsch ist – oder wenn die richtige Diagnose erst Jahre zu spät gestellt wird?
DeMonica Amerson wurde fast zwei Jahrzehnte lang wegen Multipler Sklerose behandelt, bevor Spezialisten feststellten, dass sie an einer Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung (NMOSD) litt, einer seltenen Autoimmunerkrankung, die MS imitieren kann. Ihrer ursprünglichen Diagnose waren Jahre der Ungewissheit vorausgegangen, darunter der Verdacht auf eine Sehnervenentzündung und Lupus. Schließlich erhielt sie täglich Injektionen, später monatliche Infusionen, und richtete ihr Leben auf den Umgang mit MS aus. „Ich war wütend, verletzt, nervös, verwirrt – einfach alles“, erinnerte sie sich.1
Ihr Fall verdeutlicht eine Seite des Problems: Eine falsche Diagnose kann Patienten jahrelang unnötigen Behandlungen aussetzen und gleichzeitig die Versorgung wegen der tatsächlich vorliegenden Erkrankung verzögern. Ärzte erklärten gegenüber CBS News, Studien zufolge hätten schätzungsweise 15 bis 20 Prozent der Menschen, bei denen MS diagnostiziert wurde, später doch keine MS. Da es keinen einzelnen eindeutigen Test auf MS gibt, kombinieren Ärzte Symptome, MRT-Befunde, Ergebnisse der Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit und andere Marker. „In die Diagnose fließen viele verschiedene Dinge ein“, sagte Dr. Josef Gutman.1
Doch auch das entgegengesetzte Versagen hat weitreichende Folgen. Der Bericht einer mit MS lebenden Person schildert Jahre psychiatrischer Fehldiagnosen, bevor ein MRT schließlich eine neurologische Erkrankung offenbarte. Die Autorin argumentiert, dass Patienten abgewiesen werden können, ganz gleich, ob ihre Symptome einer psychischen Erkrankung, MS oder etwas anderem zugeschrieben werden – und dass Applegates Erfahrung zeigt, wie unsicher die Grenze zwischen „diagnostiziert“ und „undiagnostiziert“ sein kann.2
Die verschiedenen Perspektiven laufen auf einen zentralen Punkt hinaus: Diagnostische Unsicherheit ist nicht dasselbe wie eine eingebildete Erkrankung. Amerson stellte ihre Behandlung letztlich um und sagt heute, dass Uplizna gut wirke, während sie weiterhin unter Müdigkeit und Schmerzen leidet. „Ich entscheide mich, weiterzumachen“, sagte sie.1 Doch ihre Genesung von einer falschen Diagnose macht die verlorenen Jahre nicht ungeschehen. Ebenso wenig beseitigt eine korrekte Diagnose die Angst, dass Ärzte sie später wieder infrage stellen könnten. Die Herausforderung besteht nicht nur darin, MS genauer zu diagnostizieren, sondern auch sicherzustellen, dass Patienten während der gesamten Suche nach Antworten ernst genommen werden.